Auszug aus "Bergwerk Hugo 1873 bis 1998", Festschrift zur 125Jahr-Feier am 22. August 1998, zur Verfügung gestellt von Klaus Herzmanatus (Leiter der IGBCE Ortsgruppe Buer-Hugo und  des Geschichtskreises Zeche Hugo-Schüngelberg, bis zur Stillegung am 30. April 2000 auch Betriebsratsvorsitzender des Bergwerks Ewald-Hugo).

 
Teil1: 
Von den Anfängen bis 
in die 1930'er Jahre:  

    

Gründung der Zeche Hugo

Die Zeche Hugo wurde vor 125 Jahren gegründet. Nachdem schon seit Ausgang des Mittelalters Kohle im Ruhrtal gefunden und gefördert worden war, gelang es Mitte des 19. Jahrhunderts auch im Bezirtk von Gelsenkirchen Kohle unter dem hier abgelagerten Deckgebirge nachzuweisen. Seitdem verwandelte sich das bis dahin durch Landwirtschaft geprägte Gebiet in ein industrielles Zentrum. In der Zeit nach 1870 ließen es die wirtschaftlichen Verhältnisse zu, das Wagnis des Teufens von Schächten in unserem Bereich einzugehen. Die Voraussetzungen waren durch die zuvor verliehenen Grubenfelder gegeben.


Zeche Hugo I in der Gründerzeit

Am 12. Februar 1856 genehmigte der Gemeinderat von Buer dem Bohrmeister Vogel, gegen 3 Thaler Gebühr, das Niederbringen einer Bohrung zur Untersuchung des Steinkohlengebirges. Diese Bohrung wurde wenig nördlich der späteren Schachtanlage "Hugo II" niedergebracht. Die eigentlichen Mutungsbohrungen fielen in die Jahre 1870 bis 1875. Verliehen wurde das Feld Hugo, welches damals "Neu-Arenberg" hieß, am 20./25. 4. 1870 mit einer Größe von 2,188966 km2. Die übrigen Felder, aus denen sich später das Feld Hugo konsolidierte, gehörten ursprünglich dem Essener Kaufmann Hugo Honigmann. Von ihm stammt der Name der Zeche. Die südlichen Felder "Nordstern-Hugo" und "Neu-Horst-Hugo" wurden später durch Kauf von den Nachbarn erworben.


Namenspatron:  Hugo Honigmann (1873)

Am 24. 3. 1873 wurde vor dem Essener Notar Anz aus der Bohrgesellschaft "Ewald-Fortsetzung" das Steinkohlenbergwerk "Hugo" gegründet. Neben Hugo Honigmann, der den größten Anteil der zugehörigen Felder besaß, waren an dem Steinkohlenbergwerk "Hugo" noch eine Reihe von Buerschen, Mülheimer und Essener Bürgern beteiligt. Nach dem Berggesetz von 1865 wurde eine bergrechtliche Gewerkschaft mit dem Beschluß vom 18. Jan. 1874 gegründet und vom Oberbergamt unter dem 2. April 1874 genehmigt. Erster Repräsentant war Hugo Honigmann. Insgesamt gab es 32 Gewerken, die an 1000 Anteilen der Gewerkschaft beteiligt waren. Jeder Anteil (Kux) verpflichtete zu einer Zubuße von 200 Thalern, von denen 25 Thaler bis zum 20. 4. 1873 eingezahlt werden mußten. Hiervon wurden etwa 60 Morgen des Kuhlmannschen Hofes an der Landstraße nach Horst gekauft.

Am 1. 5. 1873 wurde hier der erste Spatenstich des Schachtes Hugo I getätigt. Der Steiger, dem die Arbeiten anvertraut waren, versagte schon restlos bei den ersten Schachtmetern. Er wurde mit dem in wenigen Metern Tiefe zusitzenden Wasser und Fließsand nicht fertig. Man suchte sich einen neuen Mann und fand ihn in Alexander Grolman, einem 33jährigen Bergmann aus Weitmar. Er übernahm die Zeche Hugo am 1. August 1973 als Betriebsführer, 1880 als Werksdirektor.

Mit Hilfe von Tübbingen, die aus England geliefert wurden, wurde es möglich, die Wasserzuflüsse einzudämmen. Am 1. März 1875 trat dann ein Unglück ein, welches die Zukunft der Zeche Hugo fast beendet hätte. Aus einem Sandstein über Flöz Bismarck brach bei einer Teufe von 325,5 m Wasser und Gas in einer solchen Menge aus, daß der Schacht brannte und das Wasser im Schacht 120 m hoch stieg.

Die Gewerkschaft Hugo wurde hierdurch wirtschaftlich hart getroffen und war gezwungen, eine hohe Zubuße von den Gewerken zu fordern. Vielen der hiesigen Bürger war das nicht möglich und sie verkauften im Jahre 1875 viele Anteile an französische Interessenten. An der Gewerkenversammlung im Jahre 1876 nahmen bereits 2 Franzosen aus Lyon teil. Hier wurde die Konsolidation der Felder Hugo, Mathilde, Ausdauer 2, 3 und 4, Erle und Mühle zu dem Feld "Hugo" beschlossen. Dem Vorstand der Gewerkschaft gehörten neben Hugo Honigmann als Vorstand Ewald Hilger aus Essen, Wilhelm Hagedorn aus Essen, Josef Monin aus Paris und Louis de Loreol aus Lyon an. Die Gewerken von Hugo übernahmen 981 Kuxe, während Hugo Honigmann die restlichen 19 Kuxe der 1000teiligen Gewerkschaft zu eigen hatte. Die Konsolidation wurde am 19. 5. 1876 vom Herzog zu Arenberg bestätigt.


Zeche Hugo I zu Beginn des 20. Jhd.

Am 17. 12. 1881 beschloß die Gewerkschaft Hugo, sich an einer mit einem Aktienkapital von 4.000.000 Mark zu bildenden Aktiengesellschaft so zu beteiligen, daß sie 3.200.000 Mark in die Aktiengesellschaft einbrachte. Jedem Gewerken wurde das Recht eingeräumt, sich entweder an der Aktiengesellschaft zu beteiligen, wobei für jedem Kux 8 voll eingezahlte Aktien einzutauschen und außerdem 2 Aktien zu je 400 Mark neu zu zeichnen waren, oder aber für jeden Kux die Summe von 3200 Mark zu beanspruchen. Die Anwesenheitsliste dieser Gewerkenversammlung ergibt folgendes Bild:


Zeche Hugo I/IV im Jahre 1905  

Herr Louis des Loreol aus Lyon vertritt für sich und 65 andere französische Gewerken, von denen 51 aus Lyon stammen, insgesamt 703 Kuxe. Herr Monin aus Paris vertritt für sich und 4 andere französische Gewerken 24 Kuxe. Ferner waren mit 30 Kuxen noch die Herren Souchon und Paturle aus Lyon und mit 4 Kuxen Herr Demmler aus Paris vertreten, während sich die übrigen Kuxe auf insgesamt 19 Gewerken aus Buer, Essen, Gelsenkirchen, Wiesbaden, Recklinghausen, Mulheim und Berlin verteilten. Von den deutschen Gewerken besaßen die Herren Dr. jur. J. Waldhausen und Fr. W. Waldhausen insgesamt 53 Kuxe, der Rest verteilt sich auf kleinere Gruppen.

Als am 13. 5. 1881 die Firma "Bergwerks-Aktiengesellschaft Hugo" gegründet wurde, blieben die deutschen Gewerken in der gleichen Verteilung als Aktionäre. Sie zeichneten in der Mehrzahl über das vorgeschriebene Maß hinaus neue Aktion; die größte Neuzeichnung erfolgte jedoch von der französischen Interessengruppe, die von 800.000 Mark neuem Aktienkapital insgesamt 764.800 Mark übernahm. In den neuen Aufsichtsrat wurden unter Berücksichtigung der Verteilung des Aktienkapitals neben den Deutschen Hagedorn und Jourdan noch 5 Franzosen gewählt. Vorsitzender des Aufsichtsrates wurde Herr Hagedorn.


Zeche Hugo I/IV im Jahre 1935

Die Harpener Bergbau-Aktien-Gesellschaft interessierte sich in zunehmenden Maße für den Erwerb der Bergwerks-Aktiengesellschaft Hugo; es gelang ihr bis zum Jahre 1896, die überwiegende Mehrheit des Aktienkapitals aufzukaufen und damit die Zeche Hugo in Harpener Besitz zu bringen. Ein hundertprozentiger Erwerb des Aktienkapitals war nicht mehr möglich, da sich vor allem von den französischen Kleinbesitzern mancher nicht mehr meldete. So mußte ein Teil der alten Aktien der Bergwerks-Aktiengesellschaft Hugo für ungültig erklärt und aufgelassen werden.

Im Jahre 1877 wurde erstmals Kohle aus dem Grubenfeld Hugo gefördert, und zwar waren es Mitte des Jahres etwa 4.000 Ztr. und Ende des Jahres etwa 4000 Ztr. pro Tag. Insgesamt wurden im Jahre 1877 rund 149.074 Ztr. Kohle gefördert mit einer Leistung von 15,6 Ztr/MS (0,78 t/MS). Von da an stieg die Förderung stetig. Der Durchschnittslohn des Bergmanns betrug 1878 26.3 Silbergroschen pro Schicht, also weniger als einen Thaler. Die wirtschaftliche Entwicklung Hugos wurde begünstigt druch den Abbau von Flöz Bismarck, das nach den Berichten aus der damaligen Zeit zu den "edelsten und gareichsten Partien gehörte und nach den vorliegenden Testaten von verschiedenen Gasfabriken den Besten des Gelsenkirchener Revieres nicht nachsteht". Doch bald stellten sich Sorgen wirtschaftlicher Natur durch den Auslauf der Gründerjahre ein. Auch damals kannte man schon Absatzsorgen und war gezwungen, "einen kleinen Posten Kohle zu stürzen. Im Jahre 1881 begann man mit dem Abteufen des Schachtes II, das im Jahre 1885 ohne besondere Vorkommnissse beendet wurde. Im Jahre 1881 war erstmals ein Reingewinn erwirtschaftet worden, und zwar in Höhe von 133.309,90 Mark. Das Streckennetz betrug in diesem Jahre einschließlich der Flözstrecken 2.224m. Ein Vorrat von 3 Millionen Tonnen war in den oberen 3 Flözen bereits aufgeschlossen, ausreichend für eine Förderung von 13 Jahren.


Zeche Hugo II im Jahre 1896

  

Zeche Hugo II

Die Schachtanlage Hugo I entwickelte sich so gut, daß man sich im Jahre 1882 entschloß, den heutigen Schacht 2 abzuteufen, der 1885 in Betrieb genommen wurde. Hier wurden wiederum englische Tübbinge auf 80m Länge eingebaut. Das Teufen verlief ohne Schwierigkeiten, und im Jahre 1888 wurde die Förderung im Südwesten des Feldes aufgenommen und weiter nach Norden ausgedehnt. Zunächst wurde in den mächtigen Flözen Pfeilerrückbau in kurzen Stößen ohne Versatz und in dünnen Flözen Strebbau mit Versetzen der in den Streben anfallenden Berge betrieben. Erst mit dem Ausbau des Preßluftrohrnetzes und der elektrischen Anlagen begann im Jahre 1908 ein planmäßiger Abbau mit Versatz. Im Jahre 1912 wurden erstmals Schüttelrutschen, bei einer Streblänge von 80 bis 100m und einem Einfallen von 18° bis 20°, eingesetzt. Während die Kohlenförderung bis dahin reine Handarbeit war, unterstützt durch Schießarbeit, wurden Ende 1924 die ersten Abbauhämmer und Schrämmaschienen eingeführt. Eine Ausnahme von dieser Entwicklung machte die Fettkohlengruppe, die von 1925 bis 1928 gebaut wurde. Bei dem steilen Einfallen von über 45° herrschte hier durchweg der Kleinbetrieb vor.

Von 1930 ab zeigte die Grube ein gänzlich verändertes Bild. Die IV. Sohle mit ihren für die damalige Zeit großzügigen Einrichtungen wurde in Betrieb genommen und der Großbetrieb entwickelt. Im Stapel 1 standen in den Flözen B und A 12 Streben von je 200m flacher Höhe zur Verfügung, die bis auf 750 streichender Länge nach Osten und Westen zu Felde gingen. Schrämmaschine und Abbauhammer ersetzten die Handarbeit, die Strecken in Flöz Zollverein fuhren Akkumulatoren-Lokomotiven. Der Bergeversatz wurde durch Hochkipper und Stopfrutschen, zum Teil durch Blasmaschinen eingebracht.


Zeche Hugo II zu Beginn des 20. Jhd.
  

  
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