Die
Doris - Story
Kann ein Pferd
umlernen?
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Auf der Weide stehen und Kinder zu bekommen, das war für die Hannoveraner Hauptstammbuchstute Doris, lange Jahre ihr Job. Die besten Voraussetzungen hatte sie auch. Ihr Vater Don Jose von Don Carlos und ihre Mutter Grazia von Grundstein, sollten schließlich eine gute Grundlage für weitere Nachkommen bilden. Mit dem Kinderkriegen war dann aber plötzlich mal Schluß. Doris sollte Reitpferd werden. Ein Wechsel, der ihr zuerst nicht so gut bekam. Lassen wir mal ihre jetzige Besitzerin Constanze Bogdanski aus GE-Resse ein paar Worte sagen: "Vor 5 Jahren sollte ich für einen Reitstallbesitzer eine 9 jährige Hannoveraner Stute, namens Doris, reiten. Er meinte; sie wäre etwas schwierig, und er könnte sie im momentanen Ausbildungsstand nicht verkaufen. Rein äußerlich war an dem Pferd nichts auszusetzen, im Gegenteil, sie gefiel mir auf Anhieb! So gut, daß ich sie nach 2 Wochen kaufte. Bei den ersten Trainingsstunden mit dem Pferd, wurde mir jedoch klar, was derBesitzer mit "schwierig" meinte: Doris hatte Angst vor Sattel und Trense und schmiß sich beim Gurtanziehen hin. Sie konnte diesen Druck um ihre Brust einfach nicht ertragen. Aufsitzen war eine Geduldsprobe, da sie zwischen steigen und weg drehen variierte. Eine brandgefährliche Sache, die nur unter Mithilfe von erfahrenen Helfern zu bewältigen war.
Unter dem Sattel war sie dann ein reines verängstigtes Nervenbündel, das keine klaren Grundgangarten beherrschte. Die Reitstunde wurde zum Abenteuer. Sie traute sich einfach nicht an anderen Pferden vorbei, sondern drehte einfach um. Das Anhalten war lange Zeit auch schlecht möglich.
Doris einfach mal zu longieren war Streßarbeit. Sie stürmte los, wechselte ständig die Richtungen und ging rückwärts, wenn man auf sie zu ging.
Ich frage mich, warum ich dieses Pferd gekauft habe ? Mein Mann hatte zwar großes Verständnis für Doris, aber ob sich eine Ehe auf Dauer im Stall abspielen konnte....? (Nun ja, Mutter einer kleinen Tochter ist Conny inzwischen geworden. Der Ehemann hat es wohl durchgehalten.) Doris riß sich vom Putzplatz weiterhin los, ca. 30 Halfter kostete mich das Vergnügen. Angst vor dem Schmied, dem Tierarzt....die Liste würde endlos werden. An einen gemütlichen Ausritt im Gelände, daran war lange nicht zu denken. Ständig lauerten auf Doris auf neue "Gefahren". Eine unheilbare Augenerkrankung des Pferdes die zur einseitigen Erblindung führte, gab mir fast den Rest."
Constanze gab aber nicht auf. Daß die Stute nicht bösartig war, sondern nur daß Vertrauen in den Menschen verloren hatte, hatte unsere 30 jährige Conny schnell raus bekommen. Nun hieß es Arbeit, Geduld und nochmals Arbeit. Was macht unsere Doris heute ? Sie ist ein absolut zuverlässiges Allround-Freizeitpferd ! Kinder können problemlos auf ihr reiten. Wenn der Schmied oder der Tierarzt kommt schläft sie vor Langeweile fast ein. Der Pferdetransporter hat auch seinen Schrecken verloren und Stute marschiert alleine drauf. Wieso ? Gehorsam, Vertrauen und Einklang zwischen Reiter und Pferd ! Constanze reitet Trail und Orientierungsritte und hat ihre Reitwartprüfung mit Doris abgelegt. Alle Achtung ! Der Reitwart zählt zu den Ausbildern im Reitsport. 13 x den 1.Platz hat das Conny/Doris Team in den Disziplinen Trail/Orientierungsritte erlangt. Immerhin die Orientierungsritte können schon mal zwischen 6-8 Stunden dauern und Theorie und Praxis sind gefragt. Wer weiß denn wirklich, was Giftpflanzen für Pferde sind ? Oder kann es jedes Pferd ertragen, wenn seine Pferde-Partner im Gelände im vollem Galopp wegstürmen und es selbst ruhig im Schritt hinterher gehen muß ? Für unsere Doris damals ein absolutes Unding, heute ist es die Voraussetzung, um überhaupt eine Platzierung unter den bis zu 120 Teilnehmern zu erhalten
Lassen wir die Besitzerin von Doris nochmals kurz zu Worte kommen: "Die harte Arbeit mit Doris hat sich also gelohnt; denn sie hat es mir mit vielen Siegen und Platzierungen bei Freizeitturnieren gedankt! Das Motto heißt deswegen: Geduld, Ausdauer und ständiges Training und Verständnis für das Verhalten eines Pferdes. Wenn ich an damals denke, wie ich ein halbes Jahr brauchte, bis ich den Sattel auflegen konnte, ohne daß Doris panisch weg rannte, muß ich schmunzeln. Eine wertvolle Erfahrung, die ich gemacht habe, lautet: Ein Pferd wird nicht zum "PARTNER" Freizeitpferd geboren, sondern dazu gemacht !!!" Da hat Constanze Bogdanski sicherlich recht. Ein Tier zu erwerben, heißt Verantwortung zu übernehmen. Conny B., die Trail-Reiterin wurde dem hohen Anspruch offenbar gerecht. - Zurück -
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