Jung, männlich, Hufschmied
Handwerk in GE-Resser Tradition 
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Viele handwerkliche Berufsstände haben es schwer, heute noch Nachwuchs zu finden. Besonders die alten Traditionsberufe, die zum Teil oft schwere körperliche Arbeit verlangen, haben wenig Zulauf und sterben aus. Damit scheint aber der Gelsenkirchener Stadtteil Buer-Resse keine größeren Probleme zu haben, weil am 16.2.1975 dort ein kleiner Junge zur Welt kam, der die nächste Generation "Hufschmied" sichern sollte. Hubertus Weuster wußte damals noch nichts von seinem Glück. 
  

Dass sein Vater Hubert Paul Weuster (Jahrgang 1932) , ebenfalls ein echter Resser Jung, 1947 bei der Firma Kläsener eine Lehre als Schmied begann und bis zum heutigen Tage dem Pferden treu geblieben ist, störte den kleinen Jungen damals sicherlich nicht. Er fuhr immer fleißig mit dem Vater zu den Pferden mit und irgendwann konnte auch er den Schmiedehammer selbst in die Hand nehmen und sich Hufschmied nennen. Der Weg war aber lang und die einzelnen Stationen wollen wir uns mal ansehen.

Wie der Vater so der Sohn ! Nach dem Besuch der Realschule an der Mühlenstrasse in Buer machte Hubertus genau wie der Vater damals seine Lehre als Metallbauer bei der Firma Kläsener. Das ist die Grundlage dafür, um sich überhaupt einmal "Hufschmied" nenne zu dürfen. Theorie Note 2 und Praxis 1 ! So war sein Abschluss. Ein praktisches Jahr musste aber noch folgen und das wurde bei der Firma Allekotte gemacht. Die mussten es ja wissen wie man einen jungen Mann das Beschlagen von Pferden beibringt. 6 Generationen Schmiedekunst sollten da schon reichen. Damit nicht genug. Das Berufsbild eines Hufbeschlagschmieds umfasst ein gründliches und sehr umfangreiches Wissen. Der Hufmechnismus eines Pferdes ist eine hochsensible Angelegenheit. Fachkenntnisse sind unbedingte Voraussetzung um diesen Beruf ausüben zu können. So verschieden Pferde sind, so verschieden sind auch ihre Hufe und die Bedürfnisse der Reiter oder Fahrer an ihre Tiere. Die leichte Renneisen von schlanken Vollblutpferden, die auf den Rennbahnen der Welt ihren Hafer verdienen, unterscheiden sich enorm von den schweren, großen Hufeisen der kaltblütigen Pferde, die zum Holzrücken in den Wäldern Deutschlands wieder eingesetzt werden.   

Der Waldboden ist steil und tief, oft auch matschig, da müssen Stollen unter die großen Hufeisen geschraubt werden. Hubertus Weuster hat da so seine Erfahrungen mit den Schwergewichten gemacht. Die Holzrückepferde aus Haigerburbach kennt er genau und ihre ganz speziellen Bedürfnisse auch ! Er wurde schließlich auch von den "Holzrückern" persönlich aus Frankfurt/Main angefordert. Fachkenntnisse hat er sich dann ab 1996 bei der Hufbeschlaglehrschmiede Niemerg in Münster erworben. 

Die ganze Niemerg-Truppe ist seit vielen Jahren zu Gast auf der Pferdemesse "Equitana" . Dort kann man den jungen Hufschmieden ganz genau auf die Finger schauen und sehen, wie es so zugehen sollte daheim im heimischen Reitstall. Nicht jeder lässt sich gerne beim Handwerk über die Schulter sehen. Es gibt auch in dieser Branche "schwarze Schafe" ohne Ausbildung, die für wenig Geld, nebenbei "mal ein paar Pferde" beschlagen. Ob man als Besitzer seinem Pferd damit einen Gefallen tut ? Schließlich ist jedes Hufeisen so individuell, wie ein maßgeschneiderter Schuh für einen Menschen........nur wir müssen niemanden auf unseren Schultern durch die Gegend tragen ! Aber weiter mit Hubertus Weuster.   

     

Nach langer Ausbildungszeit, hat er jetzt den Sprung in die Selbständigkeit geschafft. Alle Bereiche des Pferdebeschlags umfasst sein tägliches Arbeitsleben. Springreiter stellen andere Anforderungen, als Dressurreiter. Wenn ich Distanzreiterin bin, kann mein Pferd nichts mit einem Renneisen anfangen. Auch muss der Hufschmied auf die Problematik von älteren oder kranken Pferden unbedingt Rücksicht nehmen. 

Der orthopädische Hufbeschlag wird nach Rücksprache mit dem Tierarzt gefertigt. Wer sich die Vielzahl der unterschiedlichsten Hufeisen einmal angesehen hat, wird sehr schnell erkennen, dass wir es hier nicht mit einem "einfachem Job" zu tun haben. Anatomische Kenntnisse müssen vorhanden sein, um ein Eisen richtig anzupassen. 


Gleicher Ort, andere Zeit: Im Frieden eggt es sich angenehmer.

All diese Dinge waren aber dem Vater von Hubertus, Hubert Paul Weuster, im Moment völlig egal, als er mitten im Pflügen auf dem Feld von Tieffliegern 1944 als Junge mit seinem Gespann überrascht wurde. Dann hieß es nur schnell ausschirren und mit den Pferden weg ! Solche Erfahrungen prägen natürlich für das weitere Leben. 

Die Liebe zum Pferd und zu den Kutschen wurde für das langjährige Resser Kolpingmitglied dadurch nicht beeinträchtigt. Bis zum heutigen Tag blitzen die blauen Augen von Hubert Paul Weuster auf, wenn er eine schöne Kutsche mit einem Gespann das "im Lack" ist, sieht. Wir wollen aber auch die Dritte im Bunde nicht verschweigen. Hubertus Schwester Angela ist ein echtes "Resser Pferdemädel" wie sie im Buche steht. Reiterin von Jugend auf. 


 Hubert Weuster unterwegs im selbstgebauten Spider Phaeton.
  

Ihr ist der Geruch von Stall, Rauch und Feuer bestens bekannt. "Heiße Eisen" sollten also in jeder Hinsicht für sie kein Probleme darstellen. Natürlich gibt es auch die "gute Seele" der Familie Weuster. Elisabeth, die Mutter, Ehefrau und Managerin des Familienbetriebes erklärt gleichmütig: " Wenn ich nochmals in diese Familie komme, dann als Pferd !". Das sagt doch wohl alles...oder ? Hubertus hatte also die besten Voraussetzungen als Hufschmied an Start zu gehen. Sein Großvater Josef (Jahrgang 1888) war nicht nur mit 9 (!) Kindern gesegnet, sondern zog noch mit einem Milchwagen (vom Pferd gezogen) durch GE-Resse. Damals war es durchaus noch in GE-Resse üblich, seine ganze Familie (einschließlich der Omas) vom eigenen Kotten aus zu versorgen. 


Fertig mit der Arbeit - Kunde "Pferd" ist zufrieden.

Mithelfen bei der Arbeit musste jedes  Familienmitglied und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Vater von Hubertus, auch heute noch selbstverständlich mit seinem Sohn mitfährt. Bei dieser schweren körperlichen Arbeit einen 2. Mann zu haben, ist eine enorme Entlastung, die auf viele Jahre gesehen auch der eigenen Gesundheit zugute kommt. Das weiss Hubertus nur zu gut und versucht in seiner Freizeit einen Ausgleich zu schaffen. Schliesslich liegen noch lange Berufsjahre vor ihm und eine Menge Pferde warten auf ihr ganz individuelles "Schuhwerk".

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