Kleines Pferd - ganz groß
Reiten und Sammeln aus Passion ...
( Die Bilder werden durch Anklicken vergrößert , © Brigitte Schweingruber, 2004 )

Westernhengst: Rimrock Playboy.Pferde sind ihre Leidenschaft, die Großen und die Kleinen. Für Susanne Konradt aus Gelsenkirchen endet ihre Liebe zu den edlen Vierbeinern nicht auf dem Heimweg vom Reitstall, sondern sie kann dieses schöne Hobby auch zu Hause weiter pflegen. Sie macht es einfach so wie viele eisenbahnbegeisterte Männer, die ihren Modellbauträumen im Hobbykeller freien Lauf lassen. Sie sammelt Modelle. Genauer gesagt: exquisite Modellpferde. So wie diesen tollen, natürlich aussehenden Scheckhengst auf der Startseite. Nun wissen Sie um das Problemchen, dass Sie ihn nicht reiten könnten ... die Größe! Circa 25 bis 30 cm sind die Modelle in der "Traditional Size".

Susannes erstes PflegeponyMädchen lieben nun mal Pferde, dass hätte im Jahr 1975 auch Frau Konradt, der Mutter von Susanne klar sein müssen, als sie ihre Tochter zum Elite-Rennen auf die Trabrennbahn Gelsenkirchen mit nahm. Von diesem Tag an durfte sich die Mutter als Sponsorin in Sachen Pferdeleidenschaft für ihre Tochter zur Verfügung stellen. Susanne fand sehr schnell den Weg ins Stallgelände und besonders der damalige Rennstall "Schwarzer Panther" hatte es ihr angetan.

 

Die Pferdepflege, das Fahren und auch das Reiten füllte ihre Zeit an den Wochenenden und in den Ferien aus. Das ganze Wissen rund ums Pferd konnte sie später für das Pony "Fortuna" gut gebrauchen. Ein Traum ging damals damit in Erfüllung, die Eltern schenkten ihr ein eigenes Pferd ! Obwohl Susanne zuerst "richtige" Reitstunden im Reiterverein Gelsenkirchen an der Balkenstraße genommen hatte, war das Reiten im offenen Gelände eher "ihr Ding". In der Haard konnte sie bei den herrlichen Ausritten so richtig Gas geben.

In den Jahren 1975/1976 begann auch die Sammelleidenschaft für die Modellpferde. "Man o War" ein berühmter Vollblüter aus dem Rennsport war Susannes erstes Pferd, ein Modell der Firma Breyer.


Traber Esperari aus dem Rennstall "Schwarzer Panther"
An Pferderennen ... nimmt Susanne mit ihrem Pony Fortuna auch teil

Ein kleiner Ausschnitt aus Susannes Modellpferdestall "Fortuna Stables" Gekauft im Kaufhaus WEKA in der Gelsenkirchener Innenstadt! Die WEKA war damals wirklich gut sortiert. Weitere Quellen waren, ein Spielzeuggeschäft in der Von Oven-Straße (existiert nicht mehr) und natürlich Roskothen in Essen. Da konnte man sich wohl mit Pferden besonders gut eindecken, denn in den 80er Jahren hatte Susanne ca. 200 "original finished" Breyermodelle gesammelt. Bei Einstiegspreisen von 25,- bis 30,- DM pro Pferd kommt da schon eine schöne Summe zusammen.

Wie gesagt, Einstiegspreise, denn für Modellpferde, deren Grundmodell künstlerisch verändert wurde, schnellen die Preise ganz flux in die Höhe. In den USA wo die Szene weit verbreitet ist, sind die "customized models" oder "cust. models" (veränderte Modelle) sehr begehrt.

 

Scarlet Knight

Die amerikanischen Künstler und Künstlerinnen Carol Williams von Rio Rondo, Sarah Minkiewicz und Ed Gonzales sind mit die bekanntesten Namen. Und verändert werden kann sehr vieles. Die Pferde bekommen "richtiges" Schweif- und Mähnenhaar, wechseln durch Airbrush ihre Farbe und sogar kleine Hufeisen werden angebracht, auch kann die ganze Haltung des Pferdemodells völlig verändert werden. Passende Halfter und Sättel runden das Bild ab. Natürlich gibt es noch vielerlei Zubehör für den eigenen Mini-Stall.

Susanne Konradt setzte ihren Sammlerschwerpunkt auf veränderte Pferde. Und mit denen ging es dann auf Schauen ! Die ganzen Jahre über heimste Susanne mit ihren Pferdemodellen auf Live- und Foto-Schauen in den USA und ganz Deutschland viele Preise ein.

Dream Of DebonairIhr Modellpferdestall "Fortuna Stables" war Anfang der 90er Jahre überaus erfolgreich. Sie selbst veranstaltete ebenfalls internationale Fotoschauen und mit einer Freundin zusammen auch mal eine eigene Live-Schau. Wichtige Informationsquelle aller Sammler war die US-Modellpferdezeitschrift der Firma Breyer "Just about Horses". Hier konnte man Kontakte zu anderen Sammlern knüpfen, was Susanne dann auch gerne tat. Sehr viele Kontakte ergaben sich über die Jahre hinweg nach Kanada, den USA und sogar bis nach Australien und auch wieder zurück !

Einen deutschen Modellpferdeclub in Neunkirchen bei Siegen lernte Susanne im Jahr 1979 über eine kanadische Sammlerin kennen. 1988 besuchte Susanne dann schließlich ihre Brieffreundin Kathleen in Michigan/USA. Wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit alle Kontakte ganz brav per Post gepflegt wurden, Bilder, Briefe und die Modelle hin und her geschickt mussten, erkennt man schon die Passion der Sammler in aller Welt.

Frühlingsfee ... ganz jung.1986 bekam Susanne Konradt dann wieder ein "echtes, großes" Pferd. Die 3 jährige Westfalenstute "Frühlingsfee" von "Frühlingswald". Eine schicke Fuchsstute, die sich auch gleich als Modell in Susanne Konradts Sammlung wieder fand ! B. Jones aus den USA verhalf mit einem veränderten Trakehner-Breyer-Modell, Susannes "Fee" einen Ehrenplatz im Sammlerregal. Das Original im Stall und daheim das Modell, wie viele Mädchen träumen von dieser Kombination auch heute noch.

Dass Susannes Mutter in all den Jahren ihre Tochter unterstützte, ist ja noch schön und gut, aber Frau Konradt hatte soviel Freude an diesem Hobby, dass sie bald selbst Modelle von Araberpferden sammelte. Nicht weniger erfolgreich wie ihre Tochter übrigens, denn ihr verändertes Breyer-Modell der Stute "Amana" wurde "Araber und Modellpferd des Jahres 1987".

Stute Amana, Bes. Frau Konradt senior, brachte es zum Titel "Araber und Modellpferd des Jahres 1987" Frühlingsfee, verewigt als "customized" Breyer-Modell

Appy Fohlen: Ink Spot Charm scheint jeden Augenblick los stürmen zu wollen ...Nun, und dann nach vielen Jahren Sammlerleidenschaft löste sich der Modellpferdestall "Fortuna Stables" langsam auf. Viele von Susannes Freundinnen verloren das Interesse und auch sie verkaufte einen großen Teil ihres Stalles. So standen die verbleibenden ca. 50 original finished Breyer-Modelle und ca. 10 veränderten Modelle, fast 10 Jahre unbeachtet im Schrank. Natürlich hatte sie ihre echte "Frühlingsfee" nicht gleich mit dazu abgegeben. Dem Reitsport blieb sie unverändert treu. Aber die Modellpferde hatten eine lange Pause.

Jetzt wäre die Geschichte um Susanne Konradt zu Ende, denkt man. Aber so ganz noch nicht. 2003 meldete sich eine Sammlerin aus Grevenbroich in Gelsenkirchen. Drehpunkt war Australien. Susannes Brieffreundin Cheryl Ridge aus Melbourne stellte den Kontakt her. Bei Konradts gingen daraufhin wieder die Schränke auf, die Pferde wurden fit gemacht. Im Oktober 2003 ging es dann zu einer Live-Show nach Gladbeck. "Impressive Heart", ein Breyer-Modell verändert von L.Rivera/USA im Jahr 1989, wurde auf Anhieb Appaloosa-Champion, nachdem er 10 Jahre im Dornröschenschlaf gelegen hatte. Ein toller Einstiegserfolg ! So langsam kamen auch wieder einige neue Modelle dazu. Die original finished Pferde der Firma Peter Stone sind heute Susannes Favoriten. Die Stone-Modelle sind noch detailgetreuer als die Breyer Pferde gearbeitet, findet Susanne.

Impressive Heart ist nach 10 Jahren im Schrank auf Anhieb wieder ein Champion. Paint-Hengst: I'm No Illusion ...

Das Original: Susanne Konradt mit ihrer inzwischen über 20 Jahre alten Frühlingsfee ... Als den schönsten Effekt empfindet Susanne aber die Tatsache, dass sie wieder Kontakt zu früheren Sammlern bekommen hat. Lange Briefe braucht sie nun nicht mehr zu schreiben, die Modell-Pferde-Familie kommuniziert ganz zeitgemäß übers Internet ! Bestellungen der Modelle inklusive. Was blieb noch von früher ? Dem Trabrennsport ist Susanne ebenfalls noch verbunden und ist Gast bei allen großen Rennen. Ihre "echte" Frühlingsfee ist mittlerweile stolze 21 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Sie dürfte wohl die "ups and downs" Susannes Sammlerjahre mit großer Gelassenheit gesehen haben. Sie ist schließlich das geliebte Original, das niemals in einem Schrank verschwinden wird.

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